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musikalische Traditionen

Corona Vierzeiler

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Die fränkischen Kärwaliedla eignen sich ja perfekt für die Kommentierung aktueller Geschehnisse. Auch zur Krise wegen Corona. Während des Shutdown an Ostern 2020 haben zu den traditionellen Melodien gedichtet:

Texte zum Nachlesen

Und hier noch die Texte der Corona-Vierzeiler, falls ihr die eine oder andere Stelle nicht ganz verstanden habt:

STEFFI
Corona, des sicht mer net, wemmer in Wald nei geht.
Schaust nei ins Krankenhaus – nou kennst di aus!

HANS & LISSY
Ḿusizieren mei Lebn, bei die Leut sei, mei Freud,
Fortgeh derf mer net grad, dahemm bleibn mer heut.

FRANZ JOSEF
Aus Solidarität, so sagn mer, bleim mer etz zuhaus.
Doch geh mol in an Supermarkt, do schauts fei anders aus.

KATJA
Ja wos macht den die Musik, wos is uns denn bliebn?
A Pfund eigfrorne Bratwürscht und Videostream.

STEFFI
Jeden Abnd vorm Fernsehng hocken, Chips und Nüssla, drei-vier Pfund.
Jeden Früh. oh Schreck: die Waage! Hauptsach mir sin gsund!

HANS & LISSY
Die Steffi in Nürnberg, der Heiner in Fürth,
und mir zwee im Spessart, ob des Spieln do wos wird.
+++
Drum spiel mer etz im Internet, des is zwor net so schö.
Doch besser is, wie gor net gspielt, des müsster doch versteh.

KATJA
Ja wos hockt denn do drin, ja wos schaut denn do raus?
Des is die Basseuse alleine zuhaus.
+++
Und was braucht die Welt nicht, ja wos fällt mern do ei?
Des wern die Eier vom Papst und a Bass-Solo sei.

FRANZ JOSEF
Für Alte und für Schwache is’, die Politik sagt’s echt.
Wenn so a Denken länger hielt, no wär mer des scho recht.
+++
An Zammerhalt, den bräucht mer jetzt auch international.
Doch alle schauer nur auf sich, die andern scheina egal.

HANS & LISSY
Dass ich etz aa nu lustig bin, des sieht mer an meim Haus.
Am Abend, wenn es Sechsa schlägt, spiel ich zum Fenster naus.
+++
Im Nachbardorf, do hörn se unser Spielen jeden Tooch.
Mir blasen übern Mee grad nü, des is für uns ke Plag.

KATJA
Und du, du hamsterst, hamsterst Klopapier, als käm der nächste Krieg,
Und etz schau, dass‘d drei Jahr scheißen gehst, dass ich dich nimmer siech.

STEFFI
Mei Nachberi, mei Nachberi, die hat a weng an Hau:
Die hockt mit Maske am Balkon und redt mit ihrm Wau-Wau.

FRANZ JOSEF
Und jetzt a Lob und dreifach Hoch dem Pflegepersonal,
Dass mer die so schlecht bezahlt, des is fei a Skandal,

KATJA
Gell, du musst zum Aldi laafn, musst die letzten Nudeln kaafn.
Gell, du bist besonders gscheit, wos schern dich die andern Leit.

STEFFI
Wenn alles im HomeOffice sitzt und dort sein Einkauf macht,
dann freut sich der Herr Amazon, weil jetzt der Umsatz kracht.

KATJA
Und ich sitz in meim Garten und ich spiel, wos ich mooch.
Und die Steuer konn warten, morgn is aa nu a Tooch.

FRANZ JOSEF
Ich hoff, ihr hattet trotzdem a schöns Osterfest.
Bleibt gsund und zufrieden, des is doch des Best.

STEFFI
Aamol is des dann aa vorbei, mir werns scho überlebn.
Dann spiel mer wieder live für euch, dass sich die Balken biegn.

Autor: Steffi Zachmeier

Die Nürnbergerin Steffi Zachmeier ist mit den fränkischen Melodien aufgewachsen und seit ihrer Kindheit auf Bühnen zu finden. Mit ihren verschiedenen Musikgruppen setzt sie auf einen unkomplizierten und dennoch stilsicheren Umgang mit fränkischen Traditionen. Die Mitherausgeberin von Notenmaterial und Liederbüchern war über 30 Jahre in den Volksmusiksendungen des Bayerischen Rundfunks als Moderatorin zu hören, mit ihren Texten in Nürnberger Mundart bekommt manche Veranstaltung eine eigene Würze. Von der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg wurde Steffi Zachmeier beim Fränkischen Liedermacher-Wettbewerb ausgezeichnet, vom Frankenbund im Jahr 2009 mit dem jährlich vergebenen Kulturpreis und 2016 mit dem Frankenwürfel der drei fränkischen Bezirke.

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