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musikalische Traditionen

21. April 2020
von Steffi Zachmeier
Keine Kommentare

Corona Vierzeiler

Die fränkischen Kärwaliedla eignen sich ja perfekt für die Kommentierung aktueller Geschehnisse. Auch zur Krise wegen Corona. Während des Shutdown an Ostern 2020 haben zu den traditionellen Melodien gedichtet:

Texte zum Nachlesen

Und hier noch die Texte der Corona-Vierzeiler, falls ihr die eine oder andere Stelle nicht ganz verstanden habt:

STEFFI
Corona, des sicht mer net, wemmer in Wald nei geht.
Schaust nei ins Krankenhaus – nou kennst di aus!

HANS & LISSY
Ḿusizieren mei Lebn, bei die Leut sei, mei Freud,
Fortgeh derf mer net grad, dahemm bleibn mer heut.

FRANZ JOSEF
Aus Solidarität, so sagn mer, bleim mer etz zuhaus.
Doch geh mol in an Supermarkt, do schauts fei anders aus.

KATJA
Ja wos macht den die Musik, wos is uns denn bliebn?
A Pfund eigfrorne Bratwürscht und Videostream.

STEFFI
Jeden Abnd vorm Fernsehng hocken, Chips und Nüssla, drei-vier Pfund.
Jeden Früh. oh Schreck: die Waage! Hauptsach mir sin gsund!

HANS & LISSY
Die Steffi in Nürnberg, der Heiner in Fürth,
und mir zwee im Spessart, ob des Spieln do wos wird.
+++
Drum spiel mer etz im Internet, des is zwor net so schö.
Doch besser is, wie gor net gspielt, des müsster doch versteh.

KATJA
Ja wos hockt denn do drin, ja wos schaut denn do raus?
Des is die Basseuse alleine zuhaus.
+++
Und was braucht die Welt nicht, ja wos fällt mern do ei?
Des wern die Eier vom Papst und a Bass-Solo sei.

FRANZ JOSEF
Für Alte und für Schwache is’, die Politik sagt’s echt.
Wenn so a Denken länger hielt, no wär mer des scho recht.
+++
An Zammerhalt, den bräucht mer jetzt auch international.
Doch alle schauer nur auf sich, die andern scheina egal.

HANS & LISSY
Dass ich etz aa nu lustig bin, des sieht mer an meim Haus.
Am Abend, wenn es Sechsa schlägt, spiel ich zum Fenster naus.
+++
Im Nachbardorf, do hörn se unser Spielen jeden Tooch.
Mir blasen übern Mee grad nü, des is für uns ke Plag.

KATJA
Und du, du hamsterst, hamsterst Klopapier, als käm der nächste Krieg,
Und etz schau, dass‘d drei Jahr scheißen gehst, dass ich dich nimmer siech.

STEFFI
Mei Nachberi, mei Nachberi, die hat a weng an Hau:
Die hockt mit Maske am Balkon und redt mit ihrm Wau-Wau.

FRANZ JOSEF
Und jetzt a Lob und dreifach Hoch dem Pflegepersonal,
Dass mer die so schlecht bezahlt, des is fei a Skandal,

KATJA
Gell, du musst zum Aldi laafn, musst die letzten Nudeln kaafn.
Gell, du bist besonders gscheit, wos schern dich die andern Leit.

STEFFI
Wenn alles im HomeOffice sitzt und dort sein Einkauf macht,
dann freut sich der Herr Amazon, weil jetzt der Umsatz kracht.

KATJA
Und ich sitz in meim Garten und ich spiel, wos ich mooch.
Und die Steuer konn warten, morgn is aa nu a Tooch.

FRANZ JOSEF
Ich hoff, ihr hattet trotzdem a schöns Osterfest.
Bleibt gsund und zufrieden, des is doch des Best.

STEFFI
Aamol is des dann aa vorbei, mir werns scho überlebn.
Dann spiel mer wieder live für euch, dass sich die Balken biegn.

1. April 2020
von Steffi Zachmeier
Keine Kommentare

Wo is denn es Gerchla – Zum Mitsingen

Weil heute – am 1. April 2020 – die Veranstaltung “Fränkisch Tanzen” in der Kulturwerkstatt Muggenhof auf AEG wegen der Corona-Krise ausfallen muss, dachte ich, wir könnten wenigstens zusammen singen. So habe ich ein Video aufgenommen – für mich eine neue Erfahrung (und es ist beileibe nicht perfekt geworden).

Ich habe den Text im Video öfters vorgesprochen, so dass letztlich dann alle mitsingen können müssten – auch ohne Liedblatt oder Untertitel. Im richtigen Leben, z.B. auf der Kärwa oder gar beim Tanzen, stehen die ja auch nicht zur Verfügung. Ein “klassisches” Kärwaliedla, also ein Vierzeiler ist das Gerchlas-Lied allerdings nicht.

Das Gerchla als Liedblatt

Liedblatt Wo is denn es Gerchla - Kurzversion

Falls manche Wörter nicht richtig verstanden wurden, möchte ich hier auch ein Liedblatt der im Video gesungenen Version anbieten, obwohl ich ansich Fan vom Auswendig-Singen bin. Manchmal muss man einfach was Nachschauen können.

Per Rechtsklick sollte es in ein eigenes Browser-Fenster verschoben, bzw. auf die Festplatte abgespeichert werden können.

Das Gerchla und die Bärbel

Ich bin ja der Meinung, dass die überlieferten Lieder nicht um ihrer selbst willen “gepflegt” werden müssen. Tradierte Volkslieder zu singen, macht für mich nur Sinn, wenn sie meiner Lebenswirklichkeit entsprechen. Um das überkommene Bild vom zuhause aufs Gerchla wartenden “Bärbala” nicht mitsamt dem Lied zu konservieren, habe ich deshalb zusammen mit meiner Kollegin Katja Lachmann schon vor vielen Jahren zwei Bärbalas-Strophen dazugemacht. Das Bärbala wird dabei von der passiven Person zum handelnden Individuum. Eine von den Strophen verwende ich auch im Video, sie ist auf dem Liedblatt nachzulesen. Die andere lautet so:

Wo is denn des Bärbala? – Is net do, do hast heut Pech.
Die is af der Kärwa, frisst dem Gerch die Bratwürscht wech.
Wart ner, wart ner, wart ner….

Der Gerchlas-Tanz

Zur Melodie vom Gerchlas-Lied existieren in Franken zwei verschiedene Tanzformen. Eine davon ist eine Neuentwicklung aus den 1950er Jahren1 Bei der zweiten handelt es sich um eine Zufalls-Walzer-Form aus Ruhpolding im Chiemgau: den “Sautanz”.2 Dabei wird auf den ersten Melodieteil zuerst paarweise im großen Kreis marschiert. Zur Wiederholung der Melodie bleiben die Männer stehen und klatschen einander zwei-und-zwei in die Hände. Die Frauen gehen derweil entgegen der Tanzrichtung um den stehenden Männerkreis herum. Ein zweiter Teil bringt einen Walzer mit denjenigen Partner*innen, die zufällig beieinander zu stehen kommen. Diesen Tanz hatten die Loonharder Musikanten von einem Besuch bei einem Tanzabend des legendären Tanzmeisters Georg von Kaufmann mitgebracht und in Franken verbreitet mit der Begründung:

“weil wir der festen Überzeugung waren, daß die Oberbayern diese Melodie von uns Franken geklaut hatten: das war doch eindeutig unser ‘Wo is denn as Gerchla'”3

Das eigentliche Lied vom Gerchla

In der beschriebenen Marschwalzer-Version kommt allerdings nur der “Gerchlas”-Teil des Liedes vor – im ersten Teil des Tanzes. Der zweite “Wart ner, wart ner”-Teil wird heute von manchen Tanzkapellen im Dreiviertel-Takt als Walzer nachgespielt, im ursprünglichen Sautanz wird ein beliebiger anderer Ländler oder Walzer verwendet. Das eigentliche Lied “Wo is denn des Gerchla” hingegen hat auch noch einen dritten Teil. Im Video habe ich ihn weggelassen. Ein Liedblatt von der dreiteiligen Version, so wie ihn beispielsweise die Effeltricher Sänger sangen, findet ihr hier zum Download.

Händewasch-Poster

Und zuguterletzt gibts hier noch das nützliche Händewasch-Poster, das ich mit Hilfe von https://washyourlyrics.com hergestellt habe. Ich hab nämlich festgestellt, dass das Durchsingen vom Lied vom Gerchla ohne Wiederholungen genau 30 Sekunden dauert. Und das ist just die empfohlene Wasch-Zeit, um Bakterien und Viren erfolgreich wegzuspülen. Wenn euch also auf einer öffentlichen Toilette demnächst das “Gerchla” entgegenschallt, bitte nicht wundern.

Händewasch-Poster

  1. o.V.: Fränkische Tänze, Würzburg: Frankenbund 1957, 28-30 []
  2. Kaufmann, Georg von: Chiemgauer Tänze (= Lied, Musik und Tanz in Bayern 1), Landsberg/Lech: Heinrich Hohler 1966, 23 (Textteil) bzw. 15 (Notenteil) []
  3. Zachmeier, Erwin: „Plaudereien eines Wirtshausmusikanten“, in: Zachmaier (sic!), Erwin, Ernst Schusser und Margit Schusser (Hrsg.): Kurt Becher zum 70. Geburtstag: Beiträge zur Volksmusik und -pflege in Bayern, Stein bei Nürnberg; Bruckmühl 1984, 327–340, hier 329 []

23. Dezember 2018
von Steffi Zachmeier
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In der Nacht – Eine Herbergsuche

Dunkel isses und kalt – die Schwärzn war ausm Osten raufkrabbelt und die Nacht hat Besitz ergriffen vom Land, da hat aa des kurze Abendrot nix dran ändern könna. Die entsprechenden Viecher sin aktiv worn – und die Tagesgeschöpfe ham sich verzogn an an sichern Ort. Unheimlich is des eigentlich net, – des kommt bloß immer dene so vor, die ihre Pupillen net so weit zammziehn könna, dass sie trotzdem wos sehng. A Katz hätt zum Beispiel problemlos verfolgn könna, wie der alte bärtige Kerl den Weg am Fluss langsam entlang humpelt. An ramponierten Rucksack und a paar Beutel schleppt er mit sich. Die Taschen vo seim langa fleckign Mantel sin verbeult und ausgleiert von a paar Schnapsflaschen.

Er hats heut einfach net gschafft bis zu seim üblichen Quartier unter der Brückn, wo er a paar Decken hinter am Busch versteckt hat. Bis vor aner halben Stund hats nu grengt und gstürmt und so isser unter am Dächla vorm Dorfwirtshaus kauert. Der Wirt siecht des gar net gern, aber bei dem Wetter hat er si doch derbarmt und hat nern hocken lassen. Bloß: Übernachten – des geht dortn net. Ach herrje, warum isser bloß in dem langer, haaßn Summer net in Süden zuung! Es wor doch abzusehng, dass die Wärm letztlich net anhalten werd und dass irgndwann der Winter kummt! Aber es hilft nix: Heit muss er in dem stinkertn Schupfn übernachten, der nach der nächsten Wegbiegung kummt und den so mancher als Klohäusla benutzt.

Kurz vor der Kurvn registriert er Geräusche. Herrgott, do wern sies doch net ba su aner greislichen Nacht im Gebüsch treibn! Des mooch ja im Summer….. …. …. …. …. …. …. ….

Den Rest des Textes finden Sie unter folgendem Download-Button. Ich freue mich, wenn Ihnen mein Text so gut gefällt, dass Sie ihn bei Gelegenheit vorlesen möchten. Bitte nennen Sie dann auch die Autorin 😀 Vielen Dank.