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musikalische Traditionen

12. September 2018
von Steffi Zachmeier
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Kärwaliedlas-Melodien

Kärwaliedlas-Melodien

Gustl Drechsler Kärwa-Liedla

Vierzeiler-Liederbuch aus den 1970er Jahren

Die fränkische Kirchweih zeichnet sich durch eine enorme Vielfalt ihrer Formen aus, das betrifft auch die Texte und Melodien der gesungenen Vierzeiler. Etliche Kärwalieder-Bücher wurden in den letzten Jahrzehnten veröffentlicht – einige sind auch schon wieder vergriffen –  mit einer Fülle von Versen. Zumeist sind dabei auch die Melodien verzeichnet.1 Auch im Internet finden sich Seiten, die Texte sammeln, in der Regel jedoch ohne Melodien.2

Nachspielen der Melodien

Nun ist es in Nürnberg und drumrum üblich, dass die „Kärwaboum“ bei verschiedenen Gelegenheiten die Lieder ohne Begleitung vorsingen und die Kapelle die selbe Melodie nachspielt, so wie im Video-Mitschnitt vom Großreuther Betzentanz zu sehen. Übrigens spielen die meisten Musikgruppen in klingend Es-Dur, was wohl dem Einsatz von Blasbesetzungen mit B-Instrumenten geschuldet ist.

Hin und wieder habe ich aber bei Kirchweihen erlebt, dass die Musikanten nicht mit der richtigen – also der eben gesungenen – Melodie folgen, sondern mit irgendeiner beliebigen. Auf Nachfrage hat sich herausgestellt, dass den Musikanten, die nur zur eigenen Kirchweih diese Aufgabe übernahmen und nicht auswendig spielen konnten, schlicht die Noten für ein oder zwei Melodien fehlten. Diesem Umstand will ich mit einer kleinen Ausgabe nun Abhilfe schaffen.

Kleine Notenausgabe

Zwanzig verschiedene Melodien konnten 1984 bei einer Untersuchung im Nürnberger Stadtteil Almoshof verzeichnet werden.3 Nicht ganz so viele, sondern nur einige, von denen ich meinte, dass sie in Nürnberg und Umgegend am häufigsten gesungen werden, habe ich nun zusammengestellt und für Akkordeon gesetzt. Kärwaliedlas-Melodien für AkkordeonDavon sind zwei Schottisch-Melodien, vier Walzer-Melodien, eine Rheinländer-Melodie, fünf Dreher-Melodien und eine Zwiefachen-Melodie. Für Besetzungen mit B- und Es-Instrumenten, sind Zusatzstimmen auf Extra-Blättern erhältlich.

Da es lediglich um eine Hilfestellung für die nicht so versierten Musikanten ging, habe ich auf Texte im Prinzip verzichtet. Lediglich zur Erleichterung einer schnellen Zuordnung habe ich jeder Melodie eine typische Textstrophe beigesellt, die als Identifikations-Merkmal dienen kann.

Die Ausgabe steht sowohl in Heftform, als auch zum Download zur Verfügung.

  1. Zum Beispiel Drechsler, Gustl (1978): Kärwa-Liedla. Nürnberg: Albert Hofmann; Steinmetz, Horst; Krottenmüller, Hermann (1987): Di Kirwa is kumma. Vierzeiler aus dem südlichen Mittelfranken. Simmershofen (Veröffentlichungsreihe der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik, 41) – mit 24 Melodien und fast 400 Texten; Griebel, Armin; Christ, Heidi (2002): Heut is Kerwa – heut is Leb’n. Kirchweihvierzeiler aus der Hellmitzheimer Bucht. 3. Auflage 2004. Uffenheim (Veröffentlichungsreihe der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik, 55) mit 15 Melodien und 767 Vierzeilern; Christ, Heidi (2005): Kirbaliadli rund um den Hesselberg. Begleitband zu: Heidi Christ: Kirchweih in der Region Hesselberg. Uffenheim (Veröffentlichungsreihe der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik, 58a // 4[a]) mit 12 Melodien und mehr als 80 Texten; Welker, Manfred (2007): Kirchweihlieder und Kirchweihbräuche in Herzogenaurach, Großenseebach, Haundorf, Niederndorf sowie Ober- und Untermembach. Scheinfeld: Druck + Papier Meyer (Schriften zur Heimatpflege im Landkreis Erlangen-Höchstadt, 3) und etliche weitere []
  2. Zum Beispiel https://www.kaerwalieder.de/ oder https://www.kirwa.net/gstanzln.php  []
  3. Zachmeier, Stefanie; Fischer, Karlheinz (1991): Brauchgebundenes Singen aufgezeigt am Beispiel der Almoshofer Kerwa. In: Bayerischer Landesverein für Heimatpflege (Hg.): Singen in Bayern. Alte und neue Singformen „überlieferter Lieder“. Volksmusik. Forschung und Pflege in Bayern. Zehntes Seminar. Babenhausen, 1989. München, S. 65–79 []

14. Mai 2018
von Steffi Zachmeier
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Kiekbusch auf der Titanic

Kiekbusch auf der Titanic

Kiekbusch-Fassung - F.A.ZornSchon oft haben sich Leute bei Tanzkursen über den Begriff für eine Tanzaufstellung gewundert, die „ Kiekbusch-Fassung ” genannt wird. In der Darstellung von Friedrich Anton Zorn ist zu sehen, was damit gemeint ist.1

Wikipedia beschreibt die Aufstellung so:

„Der Tänzer steht schräg links hinter der Tänzerin. Mit seiner Rechten hält er die rechte Hand der Tänzerin, wobei sein Handgelenk auf der rechten Schulter der Tänzerin ruht, die linken Hände sind seitlich gefasst. Auch gegengleich möglich.”2

Ganz ähnlich heißt es im Kögler-Büchlein mit den Fachausdrücken zum Volkstanz aus den 1970er Jahren zu der „Paarfassung in der Aufstellung seitlich hintereinander“:

„Kiekbuschfassung oder Rheinländerfassung. Der Tänzer faßt mit der gestreckten Rechten die angewinkelte Rechte der Tänzerin über ihrer rechten Schulter, mit seiner angewinkelten Linken ihre seitwärts gestreckte Linke.”3

Eine Rheinländer-Fassung

Aha, es geht um eine Aufstellung zum Rheinländer. Aber was soll das mit dem „Kiekbusch”? Vielleicht hat der oder die ErfinderIn des Begriffs für die Tanzfassung ein Kinderspiel gekannt, zu dem ich in der plattdeutschen Wikipedia einen Hinweis fand. Das Kinderspiel mit Wechselgesang wird dort so beschrieben:

„Dabei stellt sich ein Kind (der Junge) hinter das andere Kind (das Mädchen) und guckt immer wieder einmal über die Schulter und singt ‚Kiekbusch, ich seh dich‘. Das vordere Kind guckt dann auch nach hinten und singt ‚dass du mich siehst, das freut mich‘.”4

Ob das hier die dazugehörige Melodie ist?

Titanic

Bei uns in Nordbayern ist weder dieses Lied noch ein ähnlicher Tanz bekannt. Und so hatte die Hartensteiner Kirchweihjugend, die ich ein paar Mal für ihren jährlichen großen Auftritt an der Kirwa trainiert habe, eine völlig andere Assoziation: Im Spielfilm „Titanic“ von James Cameron gibt es eine einprägsame Szene, in der die Hauptfigur Rose ganz vorne auf dem Schiff steht, die Arme ausbreitet und so den Wind und die Bewegung genießt. Hinter ihr steht ihr Held Jack. Kurzerhand wurde deshalb die Tanzfassung in Hartenstein „Titanic” genannt.

Beim Tanz sind zwar die Arme nicht gestreckt, so wie im Film, sondern gebeugt, und der Herr fasst die Dame nicht an der Taille, doch als Merkhilfe für diesen Fachausdruck finde ich diesen Begriff ganz gut geeignet.

  1. Friedrich Anton Zorn und Gustav Engelhardt (ca. 1920): Atlas zur Grammatik der Tanzkunst und Tanzschreibkunst oder Choreographie. Berlin: Eduard Bloch, S. XXV, gespiegelt []
  2. Wikipedia-Artikel „Kiekbuschfassung”, abgerufen am 14.05.2018 []
  3.  Anonym (1971): Fachausdrücke Volkstanz. Tanzgattungen, allgemeine Begriffe, Aufstellungen, Fassungen, Schritte, Bewegungen, Rundtänze, alphabetisches Verzeichnis. Stuttgart: Kögler, S.  24 []
  4.   Plattdeutsch-Wikipedia-Artikel „Kiekbusch”, abgerufen am 14.05.2018  (Übersetzung S.Z.)   []

24. Dezember 2016
von Steffi Zachmeier
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A Rauschgoldengel plaudert

A Rauschgoldengel plaudert

Nach echt an Haufen einsame Tooch, während denen ich in der Finsternis eigsperrt war, und scho gedacht hab, ich vergammel hier ganzagor, do tut sich plötzlich was: Draußen rappelts, schlurfts, hustets. Plötzlich geht mei Kistndeckl auf. Zum Glück is des Licht am Dachboden ziemlich schummrig, sonst täts mi ganz schee blendn nach elf Monat Einzelhaft in der Dunkelheit. „Ach, do hommern ja“, hör ich jemand sagn, „noja, aweng verknietscht isser fei scho“. „Du tust der leicht,“ grummel ich und versuch meine Flügel aweng zu strecken in dem enger Schachtela. „Wennst mi im Januar net su eilig neischobbt hättst, dann wär mei Rock aa sauberer gfaltelt.“

Rauschgoldengel

Der Rauschgoldengel meiner Eltern von ca. 1957

Do bin doch früher ganz anders behandelt worn, in der erschtn Zeit, nachdem mich der Holzschnitzer gmacht hat. Hugenotte war er, a Flüchtling aus Frankreich, in Nämberch isser domols unterkumma. Sei Töchterla, wos er mitbracht ghabt hot, des is an aner vo däi vielen Krankheiten grod gstorbn gwesn, die domols grassiert senn. Er hat viel griena, hat si eigsperrt in sei Kammer. Bis nern aner a Schnitzmesser afn Tiesch glecht hat und a Stück Lindenholz. Do hat er mein Kupf draus gmacht, angeblich schau ich ja der Klann gleich. Mei Klaad mit dem scheena Plisséerock, mei Krona und meine Flügel hat er aus dem dünn ausgschlagner Messingblech gmacht, wos domoals modern wor – Rauschgold, ein tolles Material, soch ich euch, a echt dankbars Stöffla! Noja, bloß knittern tuts halt scho aweng.

Deswegn wer ich etz aus mein Kistla rausgnumma, afn Tisch higlegt und mei Woar…. …. …. …. …. …. …. ….

Den Rest des Textes finden Sie unter diesem Download-Button. Ich freue mich, wenn Ihnen mein Text so gut gefällt, dass Sie ihn bei Gelegenheit vorlesen möchten. Bitte nennen Sie dann auch die Autorin 😀 Vielen Dank.