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musikalische Traditionen

In der Nacht. Eine Herbergsuche

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In der Nacht

Dunkel isses und kalt – die Schwärzn war ausm Osten raufkrabbelt und die Nacht hat Besitz ergriffen vom Land, da hat aa des kurze Abendrot nix dran ändern könna. Die entsprechenden Viecher sin aktiv worn – und die Tagesgeschöpfe ham sich verzogn an an sichern Ort. Unheimlich is des eigentlich net, – des kommt bloß immer dene so vor, die ihre Pupillen net so weit zammziehn könna, dass sie trotzdem wos sehng. A Katz hätt zum Beispiel problemlos verfolgn könna, wie der alte bärtige Kerl den Weg am Fluss langsam entlang humpelt. An ramponierten Rucksack und a paar Beutel schleppt er mit sich. Die Taschen vo seim langa fleckign Mantel sin verbeult und ausgleiert von a paar Schnapsflaschen.

Er hats heut einfach net gschafft bis zu seim üblichen Quartier unter der Brückn, wo er a paar Decken hinter am Busch versteckt hat. Bis vor aner halben Stund hats nu grengt und gstürmt und so isser unter am Dächla vorm Dorfwirtshaus kauert. Der Wirt siecht des gar net gern, aber bei dem Wetter hat er si doch derbarmt und hat nern hocken lassen. Bloß: Übernachten – des geht dortn net. Ach herrje, warum isser bloß in dem langer, haaßn Summer net in Süden zuung! Es wor doch abzusehng, dass die Wärm letztlich net anhalten werd und dass irgndwann der Winter kummt! Aber es hilft nix: Heit muss er in dem stinkertn Schupfn übernachten, der nach der nächsten Wegbiegung kummt und den so mancher als Klohäusla benutzt.

Kurz vor der Kurvn registriert er Geräusche. Herrgott, do wern sies doch net ba su aner greislichen Nacht im Gebüsch treibn! Des mooch ja im Summer nu oogäih für a schnelle Nummer, ober heit? Ganz deutlich hört er a Fraa stöhner. Schell weiter! Es gfällt net an jedn, wenn er gstört werd – nuderzu von su an wie ihm. Am End fällt ihna nu ei, dass es gspassiger sei könnt, ihn aweng zu ärchern. Er schaut lieber, dass er weiterkummt.

Aber da ruft nern aa scho a Männerstimm: „Hej, hallo!“ „Iech hob ka Zeit“, grantelt er in sein Bort nei und schlurft zou. „Entschuldigung,“ sagt die Stimm wieder, „könna sie mir helfen?“ Und diesmal erkennt er, dass die Fraa net aus Lust stöhnt, sondern vor Schmerzen ächzt. „Ich konn mer netamol selber helfen“, mault er, bleibt aber steh und versucht, in der Finstern die zwaa Gstaltn zu erkenna, die etz auf ihn zu wanken. A großer Kerl isses, der a klaane Person stützt. Sie hängt schwer an ihm dro.

Verzweiflung hört er aus der Stimm, die etz sacht: „Mir brauchertn dringend irgend a trockne Stell. Mei Fraa kriecht ihr Kind!“ Do entfernt er si drei Schritt rückwärts: „Macht mer doch nix weis! Wer isn mit aner schwangern Fraa in su aner Nacht unterwegs! – Miech brauchter net überfalln, ich hob nix! Ka Geld und aa ka Quartier für Eich! Wo iech übernacht, wollt ihr net hi!“

„Doch! Bitte!“ Wieder stöhnt sie. Wenn des gspillt is, dann is es großes Theater! „Es geht schneller, Sebb,“ flüsterts, „und die Blosn is platzt.“ Irgendwie riechts etzad komisch. Und wenns doch echt is? „Also dann hobb, do vorn is a Schupfn, do wollt i suwiesu hi!“ Nochert geht alles ganz schnell: Kaum, dass’s drin senn, rumpelt die Fraa ins Eck hinter und ächzt heftig. Aa der Moo is vo dort ganz aufgrecht zu hören: „Marri, Marri, gehts?“

Derwall kramt er selber sei Taschenlampen raus, raamt mit a poor Zweig im vordern Teil den Müll baseitn und schafft a halbwegs saubere Stell. Dorthi legt er sei Sitzplane und sein zweiten Pullover omadraaf. Dann fällt nern auf, dass hinten im Eck plötzlich ganz ruhig is und mit aamol kräht a dünns Stimmla durch die Finsternis. „Allmächt, ich glaabs net! A Bobberla in dem Verschlooch! – Geht her, ich hob aweng zammgraamt do. Aber schenner werds net.“ Er hält dem erschöpften Männer-Gsicht, des ausm Dunkeln auftaucht, a Schnapsflaschen hi. Und wie die zwaa sich schließlich mit ihrm Klann niederglassn hom, druckt er si nu aweng verlegn an der Tür rum und verziecht si schließlich. Draußen is die Nacht etzad ganz klar, der Wind hat si glecht und droma leicht a Stern ganz hell.

Ich freue mich, wenn Ihnen mein Text so gut gefällt, dass Sie ihn bei Gelegenheit vorlesen möchten. Es wäre schön, wenn Sie mir einen kleinen Obulus dafür überlassen würden und sich die pdf-Datei über den unten stehenden Button herunterladen. Bitte nennen Sie dann auch die Autorin 😀 Vielen Dank.


Autor: Steffi Zachmeier

Die Nürnbergerin Steffi Zachmeier ist mit den fränkischen Melodien aufgewachsen und seit ihrer Kindheit auf Bühnen zu finden. Mit ihren verschiedenen Musikgruppen setzt sie auf einen unkomplizierten und dennoch stilsicheren Umgang mit fränkischen Traditionen. Die Mitherausgeberin von Notenmaterial und Liederbüchern war über 30 Jahre in den Volksmusiksendungen des Bayerischen Rundfunks als Moderatorin zu hören, mit ihren Texten in Nürnberger Mundart bekommt manche Veranstaltung eine eigene Würze. Von der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg wurde Steffi Zachmeier beim Fränkischen Liedermacher-Wettbewerb ausgezeichnet, vom Frankenbund im Jahr 2009 mit dem jährlich vergebenen Kulturpreis und 2016 mit dem Frankenwürfel der drei fränkischen Bezirke.

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