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Wer ist eigentlich Frantz Melchior Freytag?

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Frantz Melchior Freytag

– nie gehört? Mir ist er begegnet: In Ebermannstadt auf dem Kapellenplatz steht seine Gestalt in Bronze gegossen von seinem Fast-Namensvetter, dem hierzulande recht bekannten Künstler Harro Frey.

Frantz-Melchior-Freytag-Brunnen in Ebermannstadt (Foto: S.Z.)

Frantz-Melchior-Freytag-Brunnen in Ebermannstadt (Foto: S.Z.)

Die Brunnen-Figur hat ein Pult vor sich, und eine Feder in der Hand. Wenn man genau hinschaut, sieht man: die Gestalt notiert gerade etwas auf einem Notenblatt: Wer hier dargestellt ist, das ist Frantz Melchior Freytag, „Rector Chori et Scholae“, also Kantor und Schullehrer in der oberfränkischen Stadt. Er hat sich unsterblich gemacht dadurch, dass er eine Sammlung mit 96 Liedern hinterlassen hat.

So arg viel weiß man gar nicht über seine Person: In Mechenried bei Hassfurt ist er im Jahr 1720 geboren. Wo er seine Ausbildung erhalten hat und wann er nach Ebermannstadt gekommen ist, dazu scheinen keine Daten zu existieren, lediglich die erste Ehe im Jahr 1757 und in den folgenden Jahren die Geburt seiner neun Kindern ist nachweisbar. – Und, dass er 1781, also 61jährig, auch dort gestorben ist.

Die Ebermannstädter Liederhandschrift

Die Liedforscher Rolf Wilhelm Brednich und Wolfgang Suppan haben diese Daten zusammengetragen, als sie 1972 seine Liedersammlung herausgegeben und ausgiebig kommentiert haben1. Das Original, das wohl gegen 1750 entstanden ist, liegt in der Staatsbibliothek in Bamberg.

Die Ebermannstädter Liederhandschrift

Die Ebermannstädter Liederhandschrift, 1972

Die Herausgeber schreiben, dass es sich wohl in den allermeisten Fällen nicht um Volkslieder handelt, in dem Sinn, dass Freytag sie von Menschen in seiner Umgebung vorgesungen bekommen hat. Das Repertoire gehört stattdessen „in mehr schriftlich, um nicht zu sagen literarisch geprägte Überlieferungsverhältnisse hinein“2, so konstatieren die Wissenschaftler, sei also wahrscheinlich durch Flugblätter und Drucke zu Freytag gekommen. Beispielsweise sei das Lied „Liebe Leut, ich bin halt so“ auch im sog. „Augsburger Tafelkonfekt“ zu finden, einer Lieder-Sammlung, die auf den fränkischen Komponisten Valentin Rathgeber zurückgeht.

Es scheint, Franz Melchior Freytag hat sich aus den damals umlaufenden Liedern seine ganz spezifische Auswahl aufnotiert, er selbst gibt dem Heft die Überschrift „unterschiedliche, spasshaffte, doch ehrbare Lieder“. Ebermannstadt ist ein kleiner Ort in der fränkischen Schweiz, gemütlich und gelassen, fast etwas schläfrig. Ich konnte mir bei meinem Besuch gut vorstellen, dass dort ein Mann als Kantor und Schulrektor gelebt hat, der für sich selbst ein Liederbuch zusammengestellt hat, in dems viel um Zufriedenheit und Gottergebenheit geht. „Selig ist, der nicht verzaget“, so heißts in einem der Lieder, und das entspricht atmosphärisch einem großen Teil der Sammlung. Sogar die Bettlleut sind da zufrieden mit ihrm Dasein. Aber es gibt auch noch einige eher sozialkritische und etliche durchaus derbe Scherzlieder, wie z.B. das Lied von des Schneiders Höllenfahrt, das hier in der frühesten bekannten Version vorliegt.

Andere Lieder hat Freytag der Lied-Forschung beschert, die so in überhaupt keiner andern Quelle überliefert sind. Besonders an der Freytag’schen Sammlung ist außerdem: Er hat die Melodien aufgschrieben und nicht bloß den Text notiert, wie die meisten anderen Liedquellen aus der Zeit. Er war halt Musiker.

In der Marienkapelle, auf dem Platz, wo auch der Brunnen steht, hat unser Liederbuch-schreibender Schulrektor seinerzeit übrigens die Orgel gspielt, allerdings das Vorgänger-Instrument, die jetzige ist 1896 neu installiert worden.

  1. Rolf Wilhelm Brednich und Wolfgang Suppan: Die Ebermannstädter Liederhandschrift, geschrieben um 1750 von Frantz Melchior Freytag, Schulrektor zu Ebermannstadt. Kulmbach: Freunde der Plassenburg e.V., 1972 (= Die Plassenburg 31) []
  2. a.a.O., S. 14 []
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Autor: Steffi Zachmeier

Die Nürnbergerin Steffi Zachmeier ist mit den fränkischen Melodien aufgewachsen und seit ihrer Kindheit auf Bühnen zu finden. Mit ihren verschiedenen Musikgruppen setzt sie auf einen unkomplizierten und dennoch stilsicheren Umgang mit fränkischen Traditionen. Die Mitherausgeberin von Notenmaterial und Liederbüchern war über 30 Jahre in den Volksmusiksendungen des Bayerischen Rundfunks als Moderatorin zu hören, mit ihren Texten in Nürnberger Mundart bekommt manche Veranstaltung eine eigene Würze. Von der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg wurde Steffi Zachmeier beim Fränkischen Liedermacher-Wettbewerb ausgezeichnet, vom Frankenbund im Jahr 2009 mit dem jährlich vergebenen Kulturpreis und 2016 mit dem Frankenwürfel der drei fränkischen Bezirke.

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