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Warum die Büchenbacher die Froscher sind

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Am Büchenbacher Kärwabaum prangt einer und auf dem Vordach vom Gasthof “Zur Einkehr” hockt eine riesige Variante: Ein Frosch!

Büchenbach Froschfigur

Büchenbach Froschfigur

Warum der Spitzname der Büchenbacher “Froscher” ist, frage ich mich schon, seit wir im Jahr 1997 in Erlangen-Büchenbach das erste Mal auf der Kärwa spielten.

Zufällig haben wir damals den Schottisch gespielt, bei dem im Trio der Vers von “die Frösch” gesungen wird:1

Die Frösch, quakquak, die Frösch, quakquak,
die senn a lustigs Corps!
Die Frösch, quakquak, die Frösch, quakquak,
die habn ja gar ka Hoar!

Büchenbach: Frosch am Kirchweihbaum

Büchenbach: Frosch am Kirchweihbaum

Zu unserer Verwunderung begannen die anwesenden Büchenbacher laut zu gröhlen und rufen und haben uns nachher über ihren Spitznamen aufgeklärt. Ich weiß nicht, ob ich damals nicht nach dem Warum gefragt habe, wahrscheinlicher ist, dass ich die Begründung für diesen Spitznamen einfach wieder vergessen habe. Denn eine Geschichte gibts dazu bestimmt, eine “ätiologische Erzählung” sozusagen.

Im Internet finden sich verschiedene Listen von Ortsnecknamen,2 aber die Begründungen dazu finden sich meistens nicht. Für Unterfranken gäbe es ein passendes Buch,3 für Mittelfranken ist mir keines bekannt.

Einfacher ist es vielleicht, vor Ort nachzufragen: Der Wirt & Metzger Heinz Güthlein erklärte mir schließlich dazu, dass es früher in der Ortsmitte einen Weiher gegeben habe, bei dem so viele Frösche gewohnt haben sollen, dass das Quaken weithin geschallt hat.

Auf einer Landkarte von 1821 ist im Süden des Ortes ein Weiher eingezeichnet, aber der existiert immer noch, den kann der Wirt also nicht gemeint haben. Vielleicht haben die Frösche ja im Wassergraben gehaust, der früher um die Wehrkirche St. Xystus vorhanden war?

Eine E-Mail an die örtliche Geschichtswerkstatt ergab gleich drei weitergehende Erklärungen. Es antwortete Dr. Andreas Jakob, der Leiter des Stadtarchivs Erlangen, und wies mich auf einen Eintrag im Erlanger Stadtlexikon hin, wo zu lesen steht:

“Die Büchenbacher ihrerseits sind heute noch als “Froscher” bekannt, weil jeder von ihnen, als sie einst das Gequake nicht mehr ertrugen, auf Geheiß der Gemeinde ein gewisses Quantum Frösche fangen und abliefern sollte. Auf entsprechende Anspielungen reagierten die Büchenbacher früher recht empfindlich – kein Wunder, dass einmal die Werbeaktion für eine Schuhwichse mit dem Frosch als Schutzmarke daneben ging.”4

Der Archiv-Leiter schrieb außerdem:

“Es gibt Erzählungen, wonach die Büchenbacher einst ein paar Eimer voll Frösche in den Hugenottenbrunnen im Schlossgarten kippten. Oder dass Büchenbacher die Anatomie der Universität mit Fröschen für Tierversuche belieferten … Was davon zutrifft, wissen vermutlich alleine die Frösche.”5

Im Garten bei mir gegenüber quakt es nachts auch immer heftig, ich kann die dortigen Teichbewohner ja mal fragen…

ERGÄNZUNG:

Grade hab ich noch entdeckt: Sogar einen Geocache gibts in Büchenbach zum Thema “Froscher”, die Ownerin vertritt die These von den Froschlieferanten an die Anatomie.

——

  1. enthalten im Notenheft “Quetschen-Kompott“ []
  2. z.B. www.ortsnecknamen.de oder www.boari.de/spottnamen/spottnamen.htm []
  3. Fritz-Scheuplein, Monika u.a. Dreidörfer Narrn stehn auf drei Sparrn – Ortsnecknamen in Unterfranken. Würzburg: Königshausen & Neumann 2012 []
  4. Onlineversion des Stadtlexikon Erlangen. Erlangen 2002; zuletzt aufgerufen am 13.08.2013 []
  5. Mail vom 13.08.2013 []

Autor: Steffi Zachmeier

Die Nürnbergerin Steffi Zachmeier ist mit den fränkischen Melodien aufgewachsen und seit ihrer Kindheit auf Bühnen zu finden. Mit ihren verschiedenen Musikgruppen setzt sie auf einen unkomplizierten und dennoch stilsicheren Umgang mit fränkischen Traditionen. Die Mitherausgeberin von Notenmaterial und Liederbüchern war über 30 Jahre in den Volksmusiksendungen des Bayerischen Rundfunks als Moderatorin zu hören, mit ihren Texten in Nürnberger Mundart bekommt manche Veranstaltung eine eigene Würze. Von der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg wurde Steffi Zachmeier beim Fränkischen Liedermacher-Wettbewerb ausgezeichnet, vom Frankenbund im Jahr 2009 mit dem jährlich vergebenen Kulturpreis und 2016 mit dem Frankenwürfel der drei fränkischen Bezirke.

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